04.10.1999

Jürgen

So will ich also noch ein Resumée über unseren Urlaub abgeben.
Natürlich ist das schwierig, wenn man aus dem Fenster auf ein verregnetes Deutschland schaut und dabei über sonnige Tage in Portugal reflektieren soll.
Es war eigentlich ein ganz normaler Urlaub. Es ist noch nicht einmal besonders ungewöhnlich, eine solch lange Strecke von Deutschland nach Portugal mit dem Auto zurückzulegen. Obwohl das in der heutigen Zeit sicher schon fast antiquiert ist, wo es doch so viel einfacher und bequemer ist, sich in den Flieger zu setzen und nur einige Stunden später frisch und ausgeruht im Urlaubsland anzukommen. Es stellt sich für mich aber die Frage, ob man auf diese Art - mit dem Flugzeug - überhaupt noch richtig reisen kann. Ist es nicht nur ein Ortswechsel, der sich da vollzieht? Bei einer langen Autofahrt hat man auf jeden Fall das Gefühl, eine wirkliche Reise zu unternehmen, wenn auch eine Fahrt durch Westeuropa sicher kein großes Abenteuer mehr ist. Es sei aber jedem empfohlen, mal eine längere Reise mit dem Auto - oder auch mit dem Zug - zu unternehmen, um das Gefühl für die Überwindung von Entfernung zu bekommen. Der Eindruck der Isolation, der sich ja auch einstellen kann, wenn man allein unterwegs ist - wie ich bei meiner Hinfahrt nach Portugal - kam bei mir nicht auf. Schuld am Fehlen dieses Gefühls hatte mein Handy. Wenn mitten in Spanien während der Autofahrt das Handy klingelt und jemand ruft aus Rom an, um zu fragen, wo man gerade steckt, dann ist man eben nicht isoliert. Diese Situation, überall erreichbar zu sein, ist auf jeden Fall merkwürdig, manchmal sogar unangenehm.
Das ungewöhnliche an diesem Urlaub war der Reisebericht. Nicht, daß es an sich ungewöhnlich ist, einen Reisebericht zu schreiben; auch nicht, daß diese Form des Internt-Reiseberichts so außergewöhnlich ist - obwohl ich noch nicht sehr viele dieser Berichte im Internet gesehen habe -. Außergewöhnlich war es für mich, jeden Tag über das, was ich gesehen oder erlebt habe, zu berichten. Zum einen intensiviert sich das Erleben und zum anderen ist man gezwungen, den Tag noch mal revue passieren zu lassen; die Dinge bleiben länger im Gedächtnis und man reflektiert über die Erlebnisse des Tages. Dadurch, daß wir unseren Bericht im Internet veröffentlicht haben, ist es auch eine andere Form des Schreibens, als wenn man nur ein Tagebuch führen oder sich Notizen machen würde.
Ich werde auf jeden Fall unseren Urlaub noch einmal im Internet nachvollziehen; vielleicht werde ich im tiefsten Winter, wenn das Wetter hier aufs Gemüt schlägt, die Seiten noch mal aufrufen und in Gedanken die Reise noch einmal machen.
Jetzt, wo die Reise hier endet, ist es ja möglich, sie noch mal beginnen zu lassen...

Der Beginn der Reise 19.09.1999