03.10.1999
Unsere Reise ist zuende, der Urlaub ist zuende. Wir verließen unser Urlaubsdomizil in der Nähe von Lissabon am Freitagmittag um halb zwei, bei strahlend blauem Himmel und sehr angenehmen 25 Grad. Die Fahrt war sehr angenehm - erst vor wenigen Wochen war auch das letzte Teilstück der Autobahn bis zur portugiesisch-spanischen Grenze eröffnet worden, die wir nur für einen Tankstop im Grenzort Elvas verließen.

Bis Madrid benutzten wir die Autovia, eine Autostraße, die ein so schnelles und bequemes Reisen ermöglicht, daß es kaum noch vorstellbar ist, daß ich vor 15 Jahren noch auf holprigen Pisten, die jeden Olivenbaum umkurvten, durch Spanien gereist bin. Wer das Reisen noch als Anstrengung erfahren will, muß die Schnellstraßen, die in Spanien seit dem EU-Eintritt 1986 (größtenteils mit Fördermitteln der EU, die sehr gut eingesetzt wurden) entstanden, verabscheuen - aber wer ist schon Schlagloch-Nostalgiker? So gleitet die spanische Landschaft vorbei, man fliegt förmlich von Lissabon nach Madrid.

Madrid selbst war dagegen anstrengend: Stau und schlechte Beschilderung. Es wurde dann dunkel, während wir Richtung Zaragoza rasten, die Stunden rannen dahin, wir fuhren und fuhren... Zwischen Zaragoza und Barcelona wurden wir von einem Schild überrascht, das in 2000 Metern etwas ankündigte: weder einen Rastplatz noch eine Ausfahrt, sondern - den Nullmeridian, den Greenwich-Längengrad. Wir lachten noch mehr, als der Meridian selbst auftauchte: Er wurde von einer leuchtenden Brücke über die Autobahn repräsentiert.
Gegen 2 Uhr nachts umfuhren wir Barcelona, an einer Stelle wurde die Außentemperatur angezeigt: 15 Grad! Die Autobahn füllte sich zunehmend mit deutschen Autos, heimkehrenden Costa Brava-Urlauber. Für solche mag uns auch der Mann von der Guardia Civil gehalten haben, der an der spanisch-französischen Grenze stand. Er kontrollierte uns zwar nicht (Europas offene Grenzen!), aber er hatte wohl Lust auf einen kleinen Plausch und fragte, woher wir denn kämen. Als ich "Lisbona" angab und mich gleich verbesserte, das sei ja der italienische Name, sagte er grinsend, wir seien aber wohl doch Deutsche. Erst später fiel mir ein, daß ich da mal gut hätte antworten können, ich sei Europäer...
Tief in der Nacht mußte Jürgen sich dann hinter Bezier auf der Landstraße über Serpentinen quälen, die uns endlich an die Schluchten des Tarn bei Millau brachten. Dort entsteht Europas höchste Bogenbrücke, die auf Schildern auch bereits angekündigt wird. Ob das den dortigen immer aufsässigen Bauern gefallen wird, die erst letzten Monat das neue McDonalds verwüstet haben, weil die Firma kein gutes Essen verkauft?
Diese Information erhielten wir übrigens bei unserer ersten langen Rast, die wir in Clermont-Ferrand bei meinem guten Freund Frank und seiner Lebensgefährtin Isabelle einlegten.

Beim Kaffeetrinken diskutierten wir Politik und Gesellschaft und das Reisen und tauschten Neuigkeiten aus - ich auch mit meinem Bruder Elmar, der gerade ebenfalls bei Frank war und den ich nach seinem Finnland-Aufenthalt nur kurz gesehen hatte.
Ein wichtiges Thema unter Reisenden: das Transportmittel, in unserem Fall also das Auto. An dieser Stelle sei mein treuer Golf Diesel einmal lobend erwähnt!

Nachmittags gegen 3 ging es dann wieder los. Zwischen Clermont-Ferrand und Dijon mußten wir Nebenstraßen nehmen (was uns viel Zeit kostete), dann rasten wir wieder über die Autobahn. Ab Metz regnete es, und wir begannen, das gute portugiesische Wetter zu vermissen. Trotz des immer schlechter werdenden Wetters wurde übrigens in Trier ein Feuerwerk abgebrannt, was wir gutgelaunt als unsere Begrüßung in Deutschland interpretierten. Über die - im europaweiten Vergleich mit sehr schlechtem Belag ausgestatteten - deutschen Autobahnen gelangten wir dann nach Hause - um Viertel vor Drei waren wir daheim.
Wir hatten etwas mehr als 3000 Kilometer überwunden, in weniger als 37 Stunden (alle Pausen eingerechnet) - eine lange und herrlich ermüdende Fahrt. Ich hatte endlich wieder dieses Gefühl des "being on the road", bei dem man irgendwann nur noch die Straße und die vorbeirasende Landschaft kennt und als einzige Unterbrechungen die Stops an im kahlen Neonlicht liegenden Tankstellen duldet. Man fährt und fährt, und irgendwann hat man das Gefühl, man könne ständig so weiterfahren, bis nach Wladiwostok, anzukommen spielt gar keine Rolle mehr. Dieses Gefühl kann man kaum erklären, man muß es schon einmal gehabt haben - so wie dieser junge Mann:

Morgen wird Jürgen noch ein Resumée unserer Reise abgeben - klicken Sie sich also wieder ein!
Letzter Tag in Portugal: 30.09.1999