30.09.1999
Den heutigen Tag haben wir wieder der Ruhe und Entspannung gewidmet. (Schon wieder, mag der eine oder andere Leser jetzt sagen, aber - so will ich daran erinnern - dies ist nicht nur eine Reise, es soll auch Urlaub sein.) Dennoch haben wir etwas zu sagen (oder zu schreiben), denn es gilt, ein erstes Resumée zu ziehen. Nein, nicht über unsere gesamte Reise, es liegen noch mehr als zweieinhalbtausend Kilometer vor uns. Aber da wir morgen die Rückreise antreten (von der wir selbstverständlich auch berichten werden), nehmen wir langsam Abschied von Portugal. Die Lagoa de Albufera ist wirklich der ideale Ort, um Urlaub zu machen.

Nicht so überlaufen - vor allem in der Woche, da die Lissaboner eher am Wochenende kommen - aber doch nahe genug an Lissabon gelegen, so daß man die Stadt schnell erreichen kann. Jetzt im Spätsommer, wenn die Temperaturen bei angenehmen 25 Grad liegen (wir hatten ja etwas Pech mit dem Wetter - es hat ja sogar einen Tag geregnet - wirklich ungewöhnlich), kann man sogar noch richtig das Strandleben genießen.

Aber nicht nur Lissabon lohnt einen Ausflug. Auch in der Nähe der Lagune liegen einige reizvolle Ziele, so etwa das Cabo Espichel,

oder das kleine Städtchen Sesimbra

mit dem alten maurischen Kastell, das die Stadt überragt.

Und wenn man etwas weiter wegfahren möchte, also einen Tagesausflug unternehmen will, kann man eben mal das Ende Europas, das Cabo da Roca besuchen

und vorher einen Blick in den Höllenschlund werfen.

Ja, und dann Lissabon.
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Was kann ich über diese Stadt berichten? Ich kann jetzt nicht den Reiseführer spielen, die Sehenswürdigkeiten aufzählen
,
, 
und so tun, als ob ich die Stadt kennen würde. Auch das moderne Lissabon

kenne ich eigentlich nicht. Ich kann nur das pauschale Urteil abgeben, daß mir diese Stadt gefällt, dieses Lebensgefühl und diese Kaffeekultur.
Nein, Jürgen wird nicht vom portugiesischen Fremdenverkehrsamt bezahlt - auch, wenn es manchmal so wirkt! Und ich auch nicht, obwohl ich mich meinem Vorredner betreffs seines Lissabon-Lobes anschließe. Die Stadt hat das gewisse Etwas, auch wenn sie sich zunehmend den anderen Großstädten Europas anpaßt und amerikanisiert; sie hat immer noch die Würde der etwas traurigen Dame am Rande des Kontinents, wo der Fado von der saudade singt, der ewigen Sehnsucht, und wo alte Männer in Schwarz stundenlang in den Cafés sitzen und diskutieren. Unten am Hafen, wo in neuen Discos die Yuppies den Anschluß an Europa feiern, merkt man es nicht mehr so, aber im Bairro Alta mit seinen Tavernen, die noch immer voll sind mit jungen Leuten, lebt auch ein anderes Lissabon weiter. Die großen Einkaufszentren können den Charme der Baixa nicht ersetzen, die nahe am Verkehrsinfarkt stehenden Autobahnen lassen nicht vergessen, daß es noch immer die stillen, engen Gassen des alten Maurenviertels Alfama gibt. Kurz: Die Stadt wandelt sich, aber ihre Tradition wird sie nicht verlieren. (Im übrigen habe ich jene deutschen Nostalgie-Touristen immer gehaßt, die den Lebensstandard fremder Städte am liebsten einfrieren würden, um bspw. "ihr" Rom oder "ihr" Lissabon zu konservieren, das sowieso nie so war, wie sie es sehen wollten.)
Jedenfalls, und damit komme ich zum Schluß, ist für mich Lissabon immer noch und immer wieder eine der großartigsten Städte überhaupt - und genau der richtige Ort, um meinen Geburtstag zu feiern. Das habe ich gestern getan, und ich möchte mich an dieser Stelle bei allen meinen Freunden bedanken, die an mich gedacht und mir Glückwünsche haben zukommen lassen. Muito obrigado!
So sage ich dieser Stadt langsam "Adeus" und frage mich, ob mich dieses Gefühl wohl ergreifen wird, wenn ich wieder zu Hause bin, diese "saudade" ...?
Vortag: 29.09.1999