25.09.1999
Heute haben wir die (erste) Besichtigungstour in Lissabon in Angriff genommen. Mit Sören hatte ich ja einen kundigen Führer, der nicht nur die Sehenswürdigkeiten in Lissabon kennt, sondern auch ettliche Hintergrundinformationen geben kann.
Der erste Punkt der Tour sollte die Burg auf einem der Hügel der Stadt sein. Doch der Versuch, dieses Ziel mit dem Auto zu erreichen, scheiterte. Wir irrten also durch schmale Gäßchen und fanden einfach den Weg nicht. Also haben wir die Burg später aus der Ferne fotographiert.

Dann stellten wir den Wagen ab und erkundeten zu Fuß die Baixa, die Unterstadt von Lissabon.
Wir haben die Sehenswürdigkeiten gesehen, auf Plätzen gestanden und bekannte Gebäude bestaunt. Sören hat mir auch das ein oder andere erzählt, aber, wie es bei solchen Touritouren nun mal so ist, diese Form der Informationen vergißt man (oder besser gesagt: ich) sehr schnell.
Was nun bleibt, ist, daß ich jetzt die Stadt - nein so vermessen bin ich nicht - vielmehr einen kleinen Teil der Stadt gesehen habe. Die Fotos, die wir gemacht haben, können dieses bezeugen.
Dieses Foto zeigt zum Beispiel... Wie heißt noch mal dieser Platz?
Rossio - und ich könnte jetzt noch ein paar Hintergrundinformationen nachreichen, wie etwa, daß der Platz offiziell eigentlich Praca Dom Pedro IV. heißt, das Gebäude im Hintergrund das Nationaltheater ist und dort steht, wo sich früher mal der Amtssitz der Inquisition befand und dergleichen mehr. Aber das wäre nicht meine Form des Reiseberichtes (solche Reiseführer-Details spare ich mir auf, um sie in literarischen Texten einzubauen und dort meine Leser zu langweilen). Um ganz ehrlich zu sein: Das heute war auch nicht meine Form des Lissabonbesuches, aber schließlich sollte Jürgen das wichtigste sehen. Das wichtigste? Das war für mich war nicht die - zugegebenermaßen immer wieder beeindruckende - Praca do Commercio, "das grandiose Foyer zur Unterstadt", wie Thomas Mann in seinem Felix Krull schreibt.

Nein - der Ort, den ich besuchen wollte, war das Café "A Brasilheira", das ich bei jedem Lissabonaufenthalt aufsuche.

Aber wenn diese Art von Lissabonbesuch nicht die Sache von Sören ist und auch ich nicht ganz so auf Stadtbesichtigungen stehe, da ich - wie oben beschrieben - auch schnell wieder vergesse, was ich gerade gesehen habe, warum haben wir das denn jetzt eigentlich gemacht? Ich könnte ja jetzt sagen, daß wir dieses nur für unsere Leser getan haben, aber - bevor jetzt die Proteste losgehen (Mail an:

Der Reiseschriftsteller bei der Arbeit - so der Untertitel dieses Bildes. Aber so lasse ich mir die Arbeit doch gefallen.
Genau der richtige Ansatz - ich finde, man erlebt so eine Stadt viel besser. Trotzdem beuge ich mich natürlich selbst auch immer wieder dem Baedeker-Diktat und schaue mir an, was "man gesehen haben muß" (wie man an meinen Rom-Berichten sehen konnte: da habe ich ja auch nicht einfach nur espresso getrunken). Und zu den Pflicht-Sehenswürdigkeiten gehört in Lissabon auch der Torre de Belem, also waren wir dort kurz:

Untertitel dieses Bildes: Der Reiseschriftsteller bei der Arbeit, Nr. 2.
Als abschließende Bemerkung bleibt mir nur noch: An diesen Bildern mit den zwei Reisenden kann man den Unterschied unserer Tätigkeit erkennen.
Vortag: 25.09.1999