21.09.1999
Szenenwechsel: Statt Rom nun Lissabon. Statt Bella
Italia nun Portugal (Der Kaffee ist jedoch noch immer gut).
Um 6 klingelte der Wecker, um 7 war ich bereits am Bahnhof Ostiense, von
wo aus die Züge zum 30 km vor Rom liegenden Flughafen gehen. Meine
Begleiterin, Katrin, flog um 9.15 Uhr nach Paderborn zurück, ich hatte noch
fast 3 Stunden Wartezeit. An dieser Stelle könnte ich jetzt zwei
Exkurse einflechten: einen zur Atmosphäre auf internationalen Flughäfen
(3 Stunden sind genug Zeit, um viele und verschiedene Eindrücke zu
sammeln) und einen zur Sloterdijk-Debatte in der Zeit, die ich in Ruhe
lesen konnte (die wenigsten schriftstellernden Reisenden erwähnen diese
endlosen Phasen des Wartens auf Reisen - Jürgen als Experte der
Reiseliteratur wird mich vielleicht korrigieren, aber mir fätt nur Claude
Lévi-Strauss ein). Beide Exkurse spare ich mir - nicht allein aus
Rücksicht auf den Leser, sondern vor allem, weil ich erschöpft bin: nicht
vom Flug, sondern vom frühen Aufstehen...
Kurz nach 14 Uhr bin ich in Lissabon gelandet. Ich habe es zum
allerersten Mal geschafft, der erste beim baggage claim zu sein, aber auch das
nur am Rande. Wichtig: Meine Cousinen Ruth und Tina holten mich ab, gegen 15
Uhr kamen wir vor Ruths Wohnung an, wo - und jetzt kann dieser Reisebericht
endlich zu einem Dialog werden oder vielleicht auch zu einem schrägen
Duett - mein Wagen vor der Tür steht: The Jürgen has landed...
Ich bin zwar nicht gelandet, sondern vielmehr nach 2.745 Kilometer Autofahrt in Lissabon angekommen, aber wie dem auch sei: Ich bin da! Ein genauerer Bericht über meine Fahrt erfolgt morgen. Nur so viel: Ich habe eigentlich das Gefühl, meine Reise sei hier und jetzt zu Ende. Was sie im gewissen Sinne ja auch ist, wenn man eine Reise als die Bewegung von einem Ort zum anderen betrachtet. Dennoch bin ich gespannt, was sich aus dem "Da-Sein" oder besser gesagt: Hier-Sein ergibt.