27.5.2000

Temeratursturz in Kuala Lumpur! Gerade noch lag die Temperatur bei über 30 Grad - jetzt sind es 15 unter Null! Es liegt Schnee, handwerklich begabte Malaysier haben aus Eis Figuren geschnitzt. Unglaublich? Natürlich habe ich zum Beweis ein Foto gemacht, und ich versichere, daß es nicht gefälscht ist (Und bei der schwülen Hitze bislang würde niemand, nicht einmal ich, zum Spaß eine Winterjacke anziehen).

Sören Eberhardt im Schnee

Die Auflösung: Das "Snowhouse" ist die besondere Attraktion in einem Freizeitpark für Kinder am Rande von Kuala Lumpur. Im Mines Resort können die Kleinen Eis und Schnee erleben - eine kleine Sensation in einem Land, das keinen Winter kennt. Gestern abend habe ich einen Malaysier kennengelernt, dessen größter Traum es ist, einmal ein Schneeräummobil fahren zu dürfen.
Er wird vielleicht irgendwann Gelegenheit dazu haben, denn er ist der Freund einer jungen Deutschen, die vor vier Jahren nach Malaysia fuhr - und beschloß, hier zu bleiben. Meine beiden sympathischen Mitreisenden Christoph Reisner und Denis Zemella, Redakteure des Berliner Magazins Extravagant, hatten Janet aufgespürt, weil sie gern ein Interview mit einer "Aussteigerin" führen wollten.
Für die Organisation des Treffens mit der jungen Frau aus Glauchau am gestrigen Abend gebüuhrt den beiden Extravagantlern erst einmal Dank in Form eines Fotos:

Christoph und Denis

Das fast zwei Stunden währende Gespräch mit Janet war sehr interessant - man lernt eben viel mehr über ein Land, wenn man mit Menschen spricht, die hier leben, zugleich aber auch den Vergleich zu Deutschland haben. Sind wir Deutschen gegenüber Ländern wie Malaysia eigentlich wirklich so arrogant mit unserer In-Europa-ist-alles-besser-Attitüde? Sind wir zu fixiert auf unsere Art zu leben? Viele Fragen, die während des Interviews aufgeworfen wurden, haben mir zu denken gegeben. Malaysia ist jedenfalls viel mehr als Abenteuer, und Kuala Lumpur dürfte nicht nur zu den interessantesten, sondern auch zu den wohlhabendsten Städten der Welt gehören. Ein Prachtbau in einer Stadt mag ja noch das Prestigeobjekt sein - aber so viele?

Wolkenkratzer in KL

Janet stellte uns dann ihrem Freund Ralph und dessen kleinem Bruder Jason vor, die beide im Planet Hollywood Kuala Lumpur arbeiten. Es war eine sehr nette Runde, die sich da getroffen hatte, und um den Abend zu krönen, luden Ralph und Jason zu einem indischen Essen ein. Die beiden sind selbst Inder, aber erst die Frage meines Mitreisenden Christoph, aus welcher indischen Stadt sie kämen, machte mir wieder klar, daß wir uns in einem Vielvölkerstaat befinden: Natürlich sind die beiden Staatsangehörige von Malaysia - ihre Urgroßeltern waren einst in dieses Land ausgewandert.
Das Essen im Sampoorna Curry House war so großartig, daß ich das Restaurant jedem Kuala Lumpur-Besucher aufs wärmste empfehlen kann (es liegt leider etwas außerhalb, Jalan Tun Sambanthan 262 im Stadtteil Brickfields). Aus folgenden Speisen bestand unser Essen, das auf Bananenblättern statt Tellern serviert wurde und das wir den üblichen Gepflogenheiten folgend mit der rechten Hand aßen (niemals die linke benutzen, die als unrein gilt!): Cuttlet, Fried Fish, Banana Leaf Rice, Mutton Dry Fried, Chicken Dry Fried, Chicken Wet Fried, Tosai (Flour Bread), Long Bean and Potato Mix, Dadadom (Chips), Cabbage, Squid, Fried Dry Chilly; als Dessert Kaseri, Lado, Gielebi, Sun Papadi. (Ich verzichte auf Übersetzung und Erläuterung, die den Rahmen sprengen würden...)
Heute mittag wurden wir dann mit einer ähnlichen Vielfalt konfrontiert, diesmal in einem chinesischen Fisch- und Meeresfrüchte-Restaurant.

Chinesisches Essen

Malaysia ist ein Paradies für Feinschmecker. Aber ich bin ja nicht (nur) zum Essen hergekommen; es stand auch wieder Sightseeing auf dem Programm. Sehr beeindruckend sind die Batu Caves, etwas außerhalb von Kuala Lumpur. 272 Stufen führen dorthin hinauf, eine Anstrengung, die sich auf jeden Fall lohnt.

Batu Caves - die Treppe hinauf

In einer der Höhlen befindet sich ein Hindu-Schrein, der den Ort zu einer Wahlfahrtstätte gemacht hat. Während des alljährlichen Thaipusam-Festes treffen hier Tausende von Pilgern ein, die sich teilweise mit Stangen durchbohren oder Haken durchs Fleisch treiben, an denen sie schwere Gegenstände aufhängen. Diese masochistisch anmutenden Riten sind übrigens für die Feier des Festes in Indien verboten worden, in Malaysia werden sie jedoch weiterhin mit Inbrunst ausgeübt.

Batu Caves